„Uwes Welt“ – Ein literarisches Motiv erwacht zum Bühnenstück

Neun Erwachsene zwischen 40 und 55 Jahren, zwei junge Frauen und sechs Teenager erarbeiteten sich in diesem Projekt über vielfältige spielpraktische Zugänge in einer intensiven Entwicklungszeit von sieben Wochen eigene Rollenfiguren und erfanden Szenen, die – dramaturgisch verdichtet – eigentlich im April 2020 als Projektergebnis zur Aufführung gelangen sollten.

Wegen der Maßnahmen im Umgang mit der Covid-19-Pandemie unterbrechen wir unsere Endphase zur Einstudierung des entstandenen Stücks und verlegen den weiteren Prozess um ein Jahr.

Unser neuer Aufführungstermin ist der 11.4.2021 im Theater an der Marschnerstraße.

Und darum wird’s gehen:

Uwe fühlt sich immer wieder „umgeben von Idioten“, er weiß alles besser und er hat sich bislang den täglichen Zumutungen des Lebens redlich gestellt. Nun aber ist ihm die Welt in ihrem schwindelerregenden Fortschritt so unerträglich geworden, dass er auf dem Tiefpunkt seines Lebens als finalen Kampf-Triumph seiner Existenz ein Ende setzen will! Damit aber geraten er und seine Umgebung in eine beziehungsreiche vitale Entwicklung, die jegliche Schwarz-Weiß-Malerei einer unerbittlichen Weltsicht aus den Angel hebt …

„Uwes Welt“ erzählt die berührende Geschichte einer tiefgreifenden Trauer sowie ihrer lebendigen Fortentwicklung – und lässt erleben, wie nah Tragik und Komik im Leben als „zwei Seiten einer Medaille“ beieinander liegen.

Wir freuen uns sehr über Ihren Besuch!

Die Rollen und ihre Spieler/innen im bislang entwickelten Stück
Uwe Janson (Jens Harms)
Hilde Janson (Bettina Stolzenburg)
Rudi Winkelmann (Frank Tiedemann)
Marlies Burlach-Winkelmann (Barbara Ehlers)
Tim Winkelmann (Max Groß)
Diego Winkelmann (Mateo Cabezas)
Bob Meier (Lars Traben)
Anastasia Meier (Katharina Keite)
Lotta Meier (Mina Simon)
Ben Meier (Lukas Paul)
Pia Liebig (Gabriele Schneider)
Maria-Yasmin Liebig
(Mahoor Mesgali)
Anna Schmidt (Susanne Harms)
Elske B. von Treffenfeld (Doris Mehnert)
Sascha Sokolov (Dimitri Korowin)
Olga Dolatov (Natalija Mihailovic)
Laura (Johanna Luck)

Karten (zu 10 € auf allen Sitzplätzen) erhalten Sie ab kommendem Herbst über c.steinberg@projekttheater-steinberg.com
oder
an der Abendkasse des Theaters an der Marschnerstraße.

Herzlich Willkommen!

Spielleitung: Christine Steinberg

Mediales Theater in freier Bearbeitung der Komödie „Ein Florentiner Hut“ von Eugène Labiche

Als 1851 Eugène Labiches „Un chapeau de paille d’Italie“ in Paris uraufgeführt wurde, war der Prototyp der rasanten französischen Boulevard-Komödie geboren. Bis in die heutige Zeit begeistert die französische Theaterkultur mit ihren stets nachwachsenden turbulenten Verwechslungskomödien in fulminant professionellen Darbietungen, deren Temperament ihresgleichen sucht.

Das reizte uns, ein mediales Bühnenexperiment zu wagen: Die Umsetzung der Komödie mit Erwachsenen in einer gleichmäßig auf das Ensemble verteilten Rollenkonstellation, in der im personalen Spiel die Handlung auf der Bühne vorangetrieben wird, während Photoaufnahmen von Paris unter Montage von Standbildern der Darstellenden die Kulissen für die Hetzjagd quer durch die „Stadt der Liebe“ stellen. Fünf Filmeinspielungen führten so in witziger Photo-Roman-Manier zu den diversen Schauplätzen der pulsierenden Großstadt Paris.

Die Handlung selbst lebt ausschließlich von den Verwicklungen, die eine ganze Lawine von absurden Missverständnissen und sich beschleunigenden Problemen nach sich ziehen: Auf dem Weg zum Standesamt gerät der Bräutigam aus Versehen in die missliche Situation, einer fremden Dame auf der Stelle Ersatz für ihren zerstörten auffälligen Strohhut zu beschaffen – ihr Lebensglück hängt davon ab und entsprechend dringlich droht dem Bräutigam die vollständige Vernichtung seiner Existenz. Parallel zur angestrebten Trauungszeremonie versucht er, gegenüber seiner ihn auf Schritt und Tritt begleitenden Hochzeitsgesellschaft und natürlich seiner Braut diesen Auftrag zu vertuschen und ihn gleichzeitig durch schnelle Erledigung loszuwerden.

Labiche ging es in erster Linie nicht um die Auflösung der vertrackten Situationen – sie geschieht mit einer finalen Geste schließlich fast von allein – sondern um die Vertuschung der Wahrheit: Menschliche Abgründe tun sich während dieser Jagd auf, treiben sich selbst bitterböse auf die Spitze und werden schleunigst zugedeckt … Viel ließ sich für uns auf der Grundlage der frei erspielten Rollen in unserer Adaption völlig neu erfinden und so entstand ein modernes Bühnenstück, in dem es in großer Leichtigkeit um ein spaßhaftes „Nichts“ geht, in dem aber alles eigentlich Tragische zur Geltung kommt.

Die Photoaufnahmen für die Pariser Kulissen entstanden auf einer meiner Kultur-Reisen in die Hauptstadt, in der auf 150 Bühnen täglich Theater gespielt wird.
Per Green-Screen-Technik transponierten wir das vollständige Ensemble dahin …

Die letzten Sekunden des Stücks …

Es spielten
Barbara Ehlers (Klotilde, 1. Schwester der Braut), Christa Walter (Blumette, 2. Schwester der Braut), Franziska Biermann (Katja, die Braut), Tanja Landschoof (Bibo, Freundin von Elvira), Bettina Stolzenburg (Elvira, die Frau mit dem Hut), Frank Tiedemann (Eric, der Bräutigam), Igor Baumgarten (Pierre, Erics Freund), Susanne Harms (Klara, Erics Schwester), Maren Schuback (Larissa, Erics 1. Cousine), Antje von Stemm (Kiki, Erics 2. Cousine), Katrin Lange (Elsa, eine Freundin der Familie), Jens Harms (Björn, Elsas neuer Freund), Andreas Leuze (Antoine, der Erbonkel), Doris Mehnert (Sirna-Giselle, Erics Ex-Umworbene), Dimitri Korowin (Alexander, ein Tourist), Karin Köninger-Werner („die Gräfin“ in einer Gastrolle)

Plakatgestaltung: Franziska Biermann

Bildkorrekturen: Antje von Stemm

Projektleitung, Textbearbeitung und Photographie: Christine Steinberg

„Antigone“ von Sophokles aus der Sicht Kreons

Im Februar 2019 fanden sich in Hamburg für den Zeitraum von acht Wochen zwölf Mütter und Väter sowie drei junge Erwachsene zusammen, um ein berühmtes Dramen-Thema, den Autoritätskonflikt der ,,Antigone“ von Sophokles, in völlig neuer Perspektive theatral zu entfalten, nämlich die Konfrontation und die in Gang kommende Entwicklung aus der Sicht der Elternfigur: Kreon.

So lehnt unser Projektstück einerseits an der antiken griechischen Tragödie an, vermittelt aber ein bislang noch nie gezeigtes Geschehen: die Innenwelt Kreons, die bei uns von elf Figuren verkörpert wird. Unterstützt wird diese psychologische Rollenaufstellung durch unser im Ensemble kreiertes Kostümkonzept, das mehrere Aspekte aufgreift (siehe „Atelier“, „Kostüme – Kreons Vermächtnis“):

Die Farben wurden aus der Skala von steinigem Beige über Brauntöne bis zu flammendem Ziegelrot gewählt und knüpfen an kraftvolles, archaisch anmutendes Erdreich an. Je nach königlichem Rang erscheinen goldene Accessoires und schlichte Goldbänder. Je nach Rolle herrscht eine Farbe bzw. Farb-Kombination vor: je standhafter, ,,erdiger“ die Rollenanlage,
umso dunkler ist das Kostüm. Je flüchtiger oder vergebens die vertretene Haltung ist, umso heller ist die Farbgebung. Je provokativer, desto röter. Dies korrespondiert mit der Qualität der Dichte: sie reicht von dicht gewebtem Stoff zu gazeartiger umflatternder Qualität.

Es spielten
Franziska Biermann (Unentschlossenheit), Barbara Ehlers (egozentrische Verzweiflung), Susanne Harms (kommentierende Vernunft), Tanja Landschoof (das ,,innere Kind“), Katrin Lange (Vermittlung zwischen den Generationen), Gabi Schneider (Wankelmut mit Hang zur Wut), Antje von Stemm (Intuition, ,,Fremdes“), Bettina Stolzenburg (Tradition, Staatsräson), Doris Mehnert (Einblick ins Schicksal), Igor Baumgarten (Tatkraft, Gehorsam), Jens Harms (Aggression), Frank Tiedemann (Kreon), Natalija Mihailovic (Antigone), Katharina Keite (Ismene), Kay Rummenie (Haimon)

Photographie: Eva Maria Steinberg

Filmaufnahme: John Mio Mehnert

Plakatgestaltung: Franziska Biermann

Projektleitung, Kostümerstellung, Textbearbeitung: Christine Steinberg