Das Projekttheater Steinberg ruht in dieser Zeit, konzentriert sich gemäß den Gegebenheiten auf das Nächstliegende und schöpft Kraft für seine zukünftigen Vollendungen.

So entstehen in meinem Atelier zurzeit keine Bühnen-Kostüme, sondern ein Requisit der ganz neuen Art –
er ersetzt keine professionelle Schutzkleidung, hilft aber in Alltagssituationen, vermeidet unnötige Berührungen von Mund und Nase und hält das Bewusstsein dafür wach: der selbstgenähte Mund- und Atemschutz.

Benötigt wird unempfindlicher Baumwollstoff (neu oder aus aussortierter Bettwäsche etc., auch T-Shirts können verwendet werden). Lässt sich bei doppelter Lage gut und angenehm durch den Stoff atmen, ist er geeignet.

Die Herstellung ist sehr einfach.

Für einen Mund- und Atemschutz schneidet man zwei Vierecke im Maß von 19 mal 26 cm zurecht und legt sie aufeinander.

Dann legt man den Stoff in drei gleichmäßige Falten. Die Längsseiten bilden dabei einen Rand von ca. 3 cm.

Der gefaltete Stoff wird an den Breitseiten abgesteppt. So behält er bei der weiteren Bearbeitung seine Form.

Zur Verstärkung und Anpassung der Längsseiten werden zwei Wäschegummis zugeschnitten. Die Längsseiten betragen 19 cm, das Wäschegummiband wird um 3 cm verkürzt (= 16 cm), sodass sich die Längsseiten später leicht zusammenziehen und wölben.

Das Wäschegummiband wird zunächst an den jeweiligen Enden mit einigen Zickzack-Stichen fixiert.

Danach zieht man das Wäschegummi gerade und schlägt den Stoff zweimal um. Das Wäschegummi sorgt nun im Inneren der Längskante für eine Spannung.

Die Längskanten werden im Zickzack-Stich gesäumt, dabei wird das Gummi auf die 19 cm Länge der Stoffseite gezogen und fixiert.

Dann werden die Breitseiten verstärkt. Dazu schneidet man 3 cm breite Stoffstreifen zurecht.

Der Streifen wird bündig zur Breitkante abgesteppt, dabei lässt man oben und unten einen Übertritt von ca. 1 cm stehen.

Die Nahtzugabe wird an den Breitseiten zurückgeschnitten.

Nun schlägt man den Übertritt ein, faltet den Streifen einmal mittig und legt ihn sodann als Kante auf die Breitseite. Es entsteht ein sauberer Abschluss.

Die Kante wird abgesteppt.

Für die Halterung werden zwei Wäschegummi-Stücke passend zum Abstand zu den Ohren für die Schlaufen zugeschnitten (hier 19 cm).

Die Enden werden mit mehrfach genähtem Zickzack-Stich fixiert.

Es lohnt sich, einen Vorrat zu nähen:

Der Mund- und Atemschutz wird nur einmal verwendet und dann gewaschen. Dies kann in der Waschmaschine erfolgen oder im Topf auf dem Herd.

Wer Kochwäsche bevorzugt, strapaziert das Wäschegummi. Dieses kann (bei weniger Tragekomfort) durch Bindebänder ersetzt werden, die aus dem gleichen Stoff wie die Maske gefertigt werden.


Allen Wahrnehmenden dieses Beitrags wünsche ich gutes Gelingen, Freude am Tun, segensreiche Weiterreichung und beste Gesundheit!

Mit herzlichem Gruß
Christine Steinberg

„Uwes Welt“ – Ein literarisches Motiv erwacht zum Bühnenstück

Neun Erwachsene zwischen 40 und 55 Jahren, zwei junge Frauen und sechs Teenager erarbeiteten sich in diesem Projekt über vielfältige spielpraktische Zugänge in einer intensiven Entwicklungszeit von sieben Wochen eigene Rollenfiguren und erfanden Szenen, die – dramaturgisch verdichtet – eigentlich im April 2020 als Projektergebnis zur Aufführung gelangen sollten.

Wegen der Maßnahmen im Umgang mit der Covid-19-Pandemie unterbrechen wir unsere Endphase zur Einstudierung des entstandenen Stücks und verlegen den weiteren Prozess um ein Jahr.

Unser neuer Aufführungstermin ist der 11.4.2021 im Theater an der Marschnerstraße.

Und darum wird’s gehen:

Uwe fühlt sich immer wieder „umgeben von Idioten“, er weiß alles besser und er hat sich bislang den täglichen Zumutungen des Lebens redlich gestellt. Nun aber ist ihm die Welt in ihrem schwindelerregenden Fortschritt so unerträglich geworden, dass er auf dem Tiefpunkt seines Lebens als finalen Kampf-Triumph seiner Existenz ein Ende setzen will! Damit aber geraten er und seine Umgebung in eine beziehungsreiche vitale Entwicklung, die jegliche Schwarz-Weiß-Malerei einer unerbittlichen Weltsicht aus den Angel hebt …

„Uwes Welt“ erzählt die berührende Geschichte einer tiefgreifenden Trauer sowie ihrer lebendigen Fortentwicklung – und lässt erleben, wie nah Tragik und Komik im Leben als „zwei Seiten einer Medaille“ beieinander liegen.

Wir freuen uns sehr über Ihren Besuch!

Die Rollen und ihre Spieler/innen im bislang entwickelten Stück
Uwe Janson (Jens Harms)
Hilde Janson (Bettina Stolzenburg)
Rudi Winkelmann (Frank Tiedemann)
Marlies Burlach-Winkelmann (Barbara Ehlers)
Tim Winkelmann (Max Groß)
Diego Winkelmann (Mateo Cabezas)
Bob Meier (Lars Traben)
Anastasia Meier (Katharina Keite)
Lotta Meier (Mina Simon)
Ben Meier (Lukas Paul)
Pia Liebig (Gabriele Schneider)
Maria-Yasmin Liebig
(Mahoor Mesgali)
Anna Schmidt (Susanne Harms)
Elske B. von Treffenfeld (Doris Mehnert)
Sascha Sokolov (Dimitri Korowin)
Olga Dolatov (Natalija Mihailovic)
Laura (Johanna Luck)

Karten (zu 10 € auf allen Sitzplätzen) erhalten Sie ab kommendem Herbst über c.steinberg@projekttheater-steinberg.com
oder
an der Abendkasse des Theaters an der Marschnerstraße.

Herzlich Willkommen!

Spielleitung: Christine Steinberg

… ist die Geschichte einer tiefgreifenden Krise auf der ersten großen Schwelle zum Erwachsen-Werden:
Die gewohnten Routinen der Kinder- und Jugendzeit haben sich überlebt und lösen sich nun unwiederbringlich auf. Die Zeit ist gekommen, in ein eigenständiges Leben aufzubrechen, in dem verlockende Freiheiten winken, in dem aber auch ungewohnt neu Verantwortung übernommen werden muss.

Wie wird dies gelingen?

Wird man den eigenen Ansprüchen gerecht werden können?

Was trägt in dieser Welt?

Benny fasst seine Befindlichkeit in einem Moment grundehrlicher Selbsterkenntnis so zusammen:
„Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Ich habe nur ein wenig Angst vor der Gegenwart!“

Mit Recht. Zunächst von ihm unbemerkt, verstrickt er sich zusehends in seine Phantasie-Welten, die ihn einerseits von den Schrecken der Wirklichkeit ablenken, ihn damit aber tückischer Weise immer mehr von seinen konstruktiven Lebenskräften abhalten. Benny wird Opfer seiner Angst vor dem selbsttätigen Schritt in die vitale Dynamik des fortwährenden Lebensstroms. Er flüchtet sich in den vermeintlichen Schutz von Stagnation und Lebensabkehr – wird jedoch in die unaufhaltsame Kraft seiner psychischen Entwicklung gerissen und erfährt auf seiner inneren „Heldenreise“ alle dramatischen Stationen eines umfassenden Reifungsprozesses, aus dem er gestärkt hervorgehen kann.

Die sieben jungen Erwachsenen haben zur Darstellung dieser Projektidee mit humorvoller Selbstironie kraftvolle Bilder gefunden und diese über vielfältige theatrale Gestaltungswege in zehn Wochen zu ihrer ganz eigenen Inszenierung geformt.
„Wahnsinnsdurst“ ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit virulenten Fragen in sehr persönlich geprägtem Stil – ein typisches Stück Projekttheater in lebensbejahender und ermutigender Grundstimmung.

Es spielten:
Natalija Mihailovic, Katharina Keite, Kay Rummenie, Alexandra Utko, Assia Van Begin, Alexander Cermann, Felix Weidmann

Projektleitung,
Dramaturgie, Photos:
Christine Steinberg

Sprechtexte:
Katharina Keite sowie Natalija Mihailovic, Assia Van Begin, Alexandra Utko

Durchführung der Licht- und Tontechnik:
Leander Lutter, Luca Joswig

Der Abiturjahrgang des Profil-Theaterkurses „Kunst und Kultur“ des Corvey-Gymnasiums präsentierte seine dritte Semesterproduktion mit einem weiteren ästhetischen Schwerpunkt in seinem Reigen durch verschiedene Inszenierungsstile und Themengebiete.

Eng angelehnt an das Semesterthema des profilgebenden Fachs Geschichte und inspiriert durch die Traditionen der Commedia dell’arte entwickelte der Kurs völlig frei – ohne weitere Vorlage – durch Improvisationen im Spiel mit typischen Komödienelementen ein Commedia-Szenario zu den Themen

  • Korruption
  • Alle leben gleich? Nein!
  • Wofür gibt der Staat Geld aus, wofür nicht?

So entstand im Spiel mit den eigens hergestellten commedia-typischen Halbmasken ein geistreiches Drama um gebeutelte Diener und ihre geldgierigen Herren. Diese missachten alle moralisch-soziale Verpflichtungen zur Vermehrung ihres materiellen Schatzes, von dem sie alles für sie Lebensnotwendige abzuleiten können meinen.

Die Masken entstanden in einem vielschichtigen Prozess:
Zunächst wird ein Gips-Abdruck des Gesichts abgenommen (es entsteht eine Negativ-Form), dieser wird mit Gips ausgegossen (es entsteht die Positiv-Form). Auf dieser wird mit Ton die Masken-Vorstellung modelliert, mit Klarsichtfolie luftdicht abgedeckt und sodann mit drei Lagen Papp-Maschee kaschiert. Die Rohform wird versiegelt und sodann plastisch bemalt.
Unsere Rollengruppen wiesen verschiedene Grundfarben auf: Die Herrschaft erscheint in Blau-Grau, die Dienerschaft in Braun.


Photographie: Rainer Schneehorst

Projektleitung und Anleitung zum Maskenbau: Christine Steinberg

Ans „Eingemachte“ sollte es gehen – aber innerhalb der schützenden Distanz einer konkreten literarischen Vorlage; ein packendes Jugendthema sollte es werden – aber „nichts Herkömmliches wie Bandenkrieg oder Drogendealer im Milieu“; und in jedem Fall „ein richtiges Stück“ – mit einer dramatischen, aufwühlenden Handlung. Und so kamen gleich zwei Gruppen, sowohl im 10. wie im 11. Jahrgang des Wahlpflicht-Theaterkurses des Corvey-Gymnasiums, auf ihr Thema:

Wer bin ich?

Nicht nur Jugendlichen fällt die Auseinandersetzung mit den häufig irritierenden bis hin zu existentiell krisenhaften Zuständen der lebendigen Persönlichkeitsentwicklung nicht leicht. – Wir suchten und fanden weiterführende Impulse in zwei düsteren Geschichten grenzüberschreitender Verzweiflung:
„William Wilson“ von Edgar Allan Poe und „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert L. Stevenson.

Und so entwickelten beide Kurse zum selben Thema des Identitätsverlustes, seiner beginnenden Suche und weiterhin irritierenden „Findung“ im Einsatz sich voneinander unterscheidender Spielformen zwei sehr intensive Stücke.

William Wilson

Im Internat lernt William seinen Doppelgänger kennen: alles an ihm ist gleich – bis auf die Stimme, die einen merkwürdig heiseren Klang hat. Ehrgeizig lässt William sich auf einen Konkurrenz-Kampf ein und muss zunehmend erkennen, dass dieser wesentlich mehr als ein Rivale ist: Wen er im zerstörerischen Finale als Widersacher im Spiegel erkennt … ist er selbst!

aus der Schluss-Sequenz „William Wilson“ (10. Jahrgang)


Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Wer kennt sie nicht, die Filme, die sich dieses Motivs angenommen haben: Ein Mensch verändert durch ein Präparat im Eigenversuch seine Persönlichkeit drastisch und ist verdammt, in zwei wechselnden Gestalten – aufgespalten in eine gute und eine böse – sein Leben zu verbringen?

Umso mehr wurde die Lektüre des Originals von Robert L. Stevenson zu einer vollkommenen Überraschung! Die Erzählung ist multiperspektivisch aufgebaut und man erfährt den linearen Hergang erst allmählich, als sich entfaltendes „Puzzle-Spiel“ : Freunde unterhalten und informieren sich über unglaubliche Vorfälle in den von ihnen frequentierten Gesellschaftskreisen, werden mit merkwürdigen Erlebnissen konfrontiert, wir erfahren als polizeilich aufgenommenen Augenzeugen-Bericht die nächtlichen Beobachtungen eines schokierten Zimmermädchens, finden unerklärliche Briefe vor, die zusammen mit den posthum an die Öffentlichkeit gelangten Tagebuch-Eintragungen der eigentlichen Hauptfigur Dr. Jekyll rückwirkend die ganze Tragödie offenbaren.
Angst und Lust zugleich waren im Spiel, als es ihm gelang, sich dank erzeugter Drogen in ein völlig moralbefreites rohes Wesen verwandeln zu können. Rauschhaft beglückt nutzt er diese „Freiheit“ zur Stillung seiner entfesselten dunklen Begierden bis über alle Schmerzgrenzen hinaus – bis der Sog seiner Sucht sich nicht mehr kontrollieren lässt …

Unsere Inszenierung legten wir nach genau diesem Prinzip an: Die Wahrheit über das Schicksal Dr. Jekylls enthüllt sich erst zum Schluss, bis dahin tragen alle Figuren über ihr Erleben die Facetten dieser Erkenntnis zusammen.
Dabei spalteten wir bereits die Jekyll- sowie die Hyde-Figur aussagekräftig in mehrere Darstellende auf (identifizierbar am identischen Kostüm-Accessoire) –
und erreichten einen hohen atmosphärischen Effekt durch die Kombination unseres aufgesplitteten Spiels mit Schwarzlicht-Szenerien, weshalb die Kostüme und alle Ausstattungsgegenstände in Schwarz und reflektierendem Weiß gewählt und hergestellt wurden.

Projektleitung, Ausstattung und Filmaufnahmen: Christine Steinberg

Bäuerlich-deftig, kunterbunt und handlungsreich geriet 2015 das Projektstück des 11. Jahrgangs im Profil „Kunst und Kultur“ des Corvey-Gymnasiums Hamburg. Das Oberstufenangebot verbindet die Fächer Geschichte, Kunst und Theater zu einer kreativen und inhaltsstarken Allianz, die mit „Bauern im Brennpunkt“ als kurseigenes Bühnenstück eine hochatmosphärisch wirksame Gestalt annahm:

Gemälde Pieter Bruegels (etwa 1525-69) standen Pate für Kostümentwürfe, Rollenideen und Szenengestaltungen des Kursensembles (siehe auch „Atelier“, „Bauern im Brennpunkt (2015)“), das seine Untersuchung der historischen „Neuzeit“ im Übergang des Mittelalters zur Renaissance ansiedelte.

Pieter Brueghel: Hochzeitstanz im Freien (Quelle: s.u.)
Das Ensemble im Heimatmuseum am Kiekeberg / Hamburg Harburg

Die Handlungidee unseres kurseigenen Bühnenstücks entlehnten wir in freier Bearbeitung der Novelle „Die schwarze Spinne“ von Jeremias Gotthelf. So fröhlich die bunten Kostüm-Farben das Spiel des Ensembles als „Tableaux vivants“ unterstützten, so düster und überaus atmosphärisch geriet das Theater selbst: Sie alle begegnen dem leibhaftigen Teufel, der ohne Umschweife die tiefen Nöte des Frondienstes ausnutzt und seinen schaurigen Pakt mit dem Bauernvolk schließt. Trotz magisch-mystischer Orakeltänze als versuchten Gegen-Zauber hat dieses fortan mit den schwerwiegenden Folgen seiner nur allzu menschlichen Verstrickungen zu kämpfen …

Projektleitung, Kostüme, Film- und Photoaufnahmen: Christine Steinberg

Quelle der Bruegel-Abbildung:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pieter_Bruegel_the_Elder_-_Wedding_Dance_in_the_Open_Air_-_WGA03505.jpg

„Der Bruch mit Traditionen“ hieß 2016 das Oberthema des kombinierten Profil- und Wahlpflichtkurses im 12. Jahrgang des Corvey-Gymnasiums Hamburg. Wir erfüllten den Auftrag mit einer äußerst verrückten und dabei gemäß unseres Projektanspruchs sehr frei gestalteten Adaption des Antistücks „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco (1959) und erlaubten uns frei von jeglichem politischem Anspruch das Spielen und Experimentieren mit den Elementen des avantgardistischen „Absurden Theaters“.

Wir entdeckten dabei eine völlig neue Sicht auf das Spiel mit Farben und Formen sowie Bewegung durch das Agieren im Tanz-Sack:

So verwandelte sich unser Doppel-Ensemble in einem wie schon im Original unerklärlichen Transformationsprozess nicht in Nashörner, sondern in grüne Säcke:
„Mensch und Sack müssen eine evolutionäre Verbindung eingehen, wollen sie überleben!“ lautete schließlich die Quintessenz unserer theatralen Botschaft – sofern im Absurden Theater von einer solchen überhaupt die Rede sein kann.
Mit der grassierenden Wandlungsepidemie war für uns gleichzeitig die zentrale Kostümfrage gelöst …
Die dafür notwendige Ausstattung entstand in meinem Atelier.

Projektleitung: Christine Steinberg

Photographie und Filmaufnahmen: Christine Steinberg und Ensemble